Schmerztherapie
in der Palliativmedizin
In Deutschland erkrankt jeder vierte an Krebs. Diese Zahl wird sich in
den nächsten Jahren auf bis zu 40 % der Gesamtbevölkerung steigern. In
Abhängigkeit von Tumor- und Metastasenlokalisation sowie dem
Tumorstadium leiden 50 – 80 % der Patienten an Schmerzen.
Effektive
Schmerztherapie muss deshalb eine vorrangige Aufgabe und Bestandteil
jeder Palliativmedizin sein, und zwar nicht nur in der Terminalphase,
sondern in jedem Stadium der Tumorerkrankung. So lange es sinnvoll ist,
steht selbstverständlich eine Kausaltherapie immer im Vordergrund jeder
Krebstherapie. Begleitend muss aber bereits frühzeitig Schmerztherapie
einsetzen, um so Lebensqualität bis zum Ende zu ermöglichen. Steigende
Lebenserwartung, die Zunahme von Singlehaushalten und der aktuelle
Rückgang der Geburten wird die medizinische und pflegerische Betreuung
von Schwerstkranken mit weit fortgeschrittenen Erkrankungen und
begrenzter Lebenserwartung in den nächsten Jahren zunehmend
verschlechtern.
Untersuchungen zeigen, dass die überwiegende Zahl der
betroffenen Patienten in der Terminalphase ihrer Erkrankung zuhause
bleiben möchten. Dort sind sie jedoch medizinisch oft weitgehend
unterversorgt und alleingelassen. Bei sinnvoller Bündelung aller
möglichen Maßnahmen und Schaffung palliativmedizinischer Strukturen
können jedoch die quälenden Symptome, die die Lebensendphase oft
bestimmen, durchaus für Patienten erträglich gestaltet werden, so dass
ein Leben bis zum Lebensende in Würde und Schmerzarmut möglich ist.
Die wesentlichen Symptome, unter denen Tumorpatienten in der
Lebensendphase leiden, sind Schwäche, Schmerzen, Atemnot und Ängste.
Gerade das Zusammenwirken von freiwilligem Hospizdienst sowie
medizinischer und pflegerischer Kompetenz kann hier hilfreich sein.
Sinnvolle Schmerztherapie umfasst hierbei möglichst einfache Schemata,
die für die Patienten wenig belastend sind. Vorzugsweise sollte die
medikamentöse Therapie nach festem Zeitschema, nach individueller
Dosierung, nach kontrollierter Dosisanpassung sowie in oraler Form
erfolgen. Eins der gravierendsten Probleme liegt in der Tatsache, dass
Ärzte häufig die Schmerzintensität ihrer Patienten unterschätzen.
Mitglieder des Pflegeteams wie auch Angehörige liegen hier häufig sehr
viel näher bei der Realität. Die Folge ist, dass die Schmerztherapie
häufig unterdosiert wird, dass zu schwache Schmerzmittel gewählt
werden, oder dass gar die Angst vor Suchterzeugung und Vorurteile gegen
Opioide den Einsatz wirksamer Medikamente verhindern. Hauptziel muss es
zunächst sein, die physischen Schmerzen zu lindern, um so
Voraussetzungen zu schaffen, um psychische, soziale und spirituelle
Bedürfnisse erfüllen zu können. Ausreichend schmerztherapierte
Patienten sind auch in der Terminalphase wieder in der Lage, an ihrer
Umwelt aktiv teilzunehmen. Therapeutisch kommt hierbei ein abgestuftes
Vorgehen zum Einsatz, bei dem auf Grund einer Schmerzanalyse die
adäquaten Maßnahmen ergriffen werden. Hierbei zählen neben
entzündungshemmenden Schmerzmitteln vor allem der Einsatz von Opioiden,
nach Möglichkeit in oraler Form (als Tablette oder Tropfen) bzw. als
Pflaster. Nur bei unzureichender Wirkung kommt der Einsatz von
Schmerzkathetern in Frage.
Häufig ist es notwendig, durch eine begleitende medikamentöse Therapie
die schmerzhemmende Wirkung von Schmerzmitteln zu verstärken. Hierzu
kommen vor allem Psychopharmaka niedrigdosiert zum Einsatz, die dann
weniger stimmungsaufhellend als vielmehr schmerzlindernd wirken. Daneben
spielt die Kontrolle von Übelkeit und Erbrechen eine wesentliche Rolle.
Angst und Einsamkeit ist eines der häufigsten und bedrängendsten
Probleme in der Terminalphase. Unter diesem Aspekt ist die Arbeit
ehrenamtlicher Hospizdienste ein unverzichtbarer Bestandteil einer
sinnvollen palliativmedizinischen Betreuung. Es muss vordringliches
Anliegen sein, Strukturen und Versorgungswege, die durch ein
Zusammenwirken von ambulanten vorhandenen Strukturen wie Hausärzten und
Pflegediensten, ergänzt durch palliativmedizinische Dienst sowie
Hospizdienste im Verbind mit ambulanten und stationären Hospizen,
Palliativstationen und Krankenhäusern sowie Pflegeheimen zu schaffen.
Palliative Versorgung in Baden-Württemberg
Ein Leitfaden vor allem für schwerkranke Patienten und deren Angehörige.
Diese Broschüre bietet Informationen über die gesamten Möglichkeiten der
palliativen Versorgung in Baden-Württemberg und gliedert sich in drei
Abschnitte:
Die Versorgung zu Hause
Die stationäre Versorgung
Die Trauerbegleitung.
Den
Leitfaden Palliativversorgung des Ministeriums für Arbeit und Soziales -
Baden-Württemberg finden Sie hier. Des weiteren Übersetzungen in der
Heimatsprache von ausländischen Mitbürgern.
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